Gemeindemail zum 05.07.2009
4. Sonntag nach Trinitiatis
(lat. trinitas = Dreifaltigkeit; Gott: Vater, Sohn, Heiliger Geist)
Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Schwestern und Brüder,
ich lade Sie herzlich ein zu unserem kommenden ökumenischen
Familiengottesdienst am Sonntag, den 05.07.09 um 10.00 Uhr in der Deutschen Botschaft. Wir wollen uns in Liedern, Gebeten und in einer interaktiven Predigt mit den Themenkreisen „Urlaub - Aufbruch - Abschied - Unterwegssein“ und „Gott: leichtes Zelt statt feste Burg“ beschäftigen.
Der biblische Wochenspruch für die Woche des 3. Sonntags nach Trinitatis lautet:
Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
Galater 6, 2
Meine Aufmerksamkeit bleibt am zweiten Halbsatz hängen: „…so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“. Ich frage mich: Gibt es so etwas wie das „Gesetz Christi“? Und: Hat der christliche Glaube etwas mit Gesetzen zu tun?
Es gibt zahlreiche Passagen im Neuen Testament, in denen davon die Rede ist, dass Jesus doch gerade deshalb gekommen ist, weil er seine jüdischen Glaubensgenossen vom „Joch“ des Gesetzes bzw. von den zahlreichen Regelungen und Vorschriften befreien und ihnen den Weg zu einem Gott der Freiheit und der Barmherzigkeit zeigen wollte.
Also kann es nicht sein, dass der Apostel Paulus seine Gemeindemitglieder wieder in eine Enge zurück führen will, die längst der Vergangenheit angehört.
Ein Blick in den altgriechischen Originaltext hilft weiter: Da steht das Wort „nomos“, das tatsächlich „Gesetz“ bedeutet. Darüber hinaus bedeutet es aber auch „Brauch“ oder „Übereinkunft“, also das, was eine lokale oder regionale Gruppe von Menschen, eine Volksgemeinschaft oder sogar die weltweite Völkergemeinschaft als verbindlich anerkennt. In diesem Sinne verstanden, könnte man den Wochenspruch anders formulieren: „Wer die Last eines anderen trägt, handelt so, wie Christus gehandelt hat.“
Ich erinnere mich an ein Ehepaar in meiner früheren Gemeinde, für das ich einen Dankgottesdienst anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit feiern durfte. Sie hatten sich diesen Vers als Grundlage für meine Predigt ausgesucht. 50 Jahre gemeinsamen Lebens verbanden sie, und im Vorbereitungsgespräch konnte ich erfahren, welche Erlebnisse und Erfahrungen sie miteinander verbanden. Nicht immer einfach war das gewesen, und mit dieser oder jener Last des einen Partners war der andere keinesfalls immer einverstanden. Es gab Zeiten liebevoller Zuneigung genau so wie Zeiten heftiger Auseinandersetzungen. Mal half man sich gegenseitig gerne und bereitwillig durch schwierige Zeiten, mal tat man es zunächst widerwillig und musste sich arrangieren. Dann aber, - dann kam der Tag der Goldenen Hochzeit, und man konnte im Kreis einer großen Familie Gott danke sagen für Führung und Bewahrung.
Wir baten Gott, auch ihre kommenden Jahre als Ehepaar zu segnen. Ich bin mir heute sicher, dass die beiden durch das Gute, das sie einander taten, auch wieder zur Liebe fanden, wenn sie ihnen abhanden gekommen war.
Ich selbst gehöre zu denen, die - wie so viele andere (Singles, unverheiratet zusammen Lebende, getrennt Lebende, Geschiedene) - das Fest einer Goldenen Hochzeit nicht erleben werden; Gottes Segensweg in meinem und in ihrem Leben sieht anders aus.
Aber ich denke, man muss nicht unbedingt fünf Jahrzehnte zusammen verbringen, um den „nomos“, den „Brauch“, der uns Christen – und viele andere Menschen - verbindet, kennen zu lernen.
Ich möchte den Paulussatz deshalb weit gefasst verstehen: Dort, wo Menschen, gleich welcher Religion oder Konfession, einander helfen und unterstützen - in manchen Situationen oder Ländern unter Inkaufnahme von Nachteilen oder Verfolgung -, dort handeln sie in der Gesinnung Jesu.
Jesu Lebensweise hat Geschichte gemacht: Als Grundlage unseres deutschen Sozialwesens sind christliche Ethik und Diakonie nicht mehr wegzudenken (und auch nicht wegzudiskutieren oder wegzuschweigen); es hat Beispielfunktion für zahlreiche andere Länder.
Etwas ganz Wichtiges zum Schluss: Tragen, wirklich tragen kann nur der, der sich selbst getragen weiß. „Ja, ich will euch tragen“, heißt es in einem Kirchenlied, „bis zum Alter hin. Und ihr sollt einst sagen, dass ich gnädig bin.“ (Ev. Gesangbuch, Nr. 380, Text von Jochen Klepper).
Aus freier Entscheidung und im Vertrauen auf Gottes Hilfe die Last eines anderen zu tragen bedeutet, das eigene Getragensein, die eigene fundamentale Geborgenheit mit ihm zu teilen.
Gott segne Sie, wo immer Sie für andere da sind,
Ihr
Karl-Heinz Schell
Gebet und Segen aus einer Liturgie (TeDeum) zum Tag des Apostels Thomas, 03.07.2009:
Gebet
Herr,
stärke meinen Glauben.
Heile die Wunden meines Lebens.
Lass mich dich einst in der Herrlichkeit sehen.
Amen.
Segen
Gott segne die Wunden deines Lebens.
Er berühre dich mit seiner Hand.
Er öffne dir den Weg zu ihm.
Amen.
Schon jetzt darf ich Sie, und diesmal besonders Euch Kinder, Schülerinnen und Schüler, einladen zu unserem ersten Gottesdienst nach der Sommerpause:
Sonntag, 06.09.
09.30 Uhr (frühe Anfangszeit) Ökumenischer Familiengottesdienst zum Schuljahresbeginn in der Deutschen Botschaft.
Pfarrer Dr. Karl-Heinz Schell
MOMA Wanguocheng Bldg.6, Apt. 605
Xiang He Yuan Lu
Dongzhimen, Chaoyang Qu
100 028 Beijing CHINA
舍 康海 博士 / 牧师
MOMA 万国城 6 馆 605 号
香河园路
东直门 朝阳区
100 028 北京 中国
Phone+Fax Home +86-10-8440-7957
Phone Mobile +86-136-9363-1857
Email westwood.trinity@googlemail.com
Sprechzeiten:
i.d.R. donnerstags von 10.00 bis 12.00 Uhr und nach Vereinbarung
Zu Ihrer Übersicht sind die weiteren Gottesdienste unten angefügt.
Ort: Deutsche Botschaft, Dongzhimen Wai Dajie 17 (sofern nicht anders vermerkt)
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SO 5. Juli 2009 10:00 Uhr Gottesdienst zum Schuljahresende (ökumen.)
Erster Gottesdienst nach dem Ende der Ferien
SO 06. September 2009 09.30 Uhr Gottesdienst zum Schuljahresbeginn (ökumen.)
Bitte frühe Anfangszeit beachten!
SA 12. September 2009 17.00 Uhr Katholische Messe
mit Einführung von Pfarrer Michael Bauer
SO 20. September 2009 10.00 Uhr Evangelischer Gottesdienst mit Abendmahl und
anschl. Begrüßungstreffen der neuen Konfirmanden und -eltern
Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache (EGDS) Peking, China
Website: www.egpeking.de
Email: dt_gemeinde_peking@hotmail.com