Die Geschichte der Evangelischen Gemeinde Peking ist vor einigen Jahren
geschrieben und in mehreren Teilen im Gemeindeblatt veröffentlicht
worden.
Wir werden sie hier, in dem Maße wie sie digital ausgegraben werden kann,
Schritt für Schritt veröffentlichen.
Die Gemeinde war am Vormittag des 1. Feiertags in großer Zahl versammelt, aber man wartete vergeblich auf das Kommen des Pfarrers. Der Zug von Tientsin kam wegen Sturms erst am Nachmittag an. Die Gottesdienstgemeinde war inzwischen längst enttäuscht auseinander gegangen.
Das Jahr 1917 begann mit Befürchtungen über die künftige Haltung Chinas zu Deutschland, die sich nur zu schnell bestätigen sollten. China brach die Beziehungen zum Reich ab, internierte die deutsche Gesandtschaftsschutzwache und erklärte schließlich den Krieg. So einschneidend diese Geschehnisse waren, so gefährdeten sie doch das Leben der Gemeinde zunächst nicht. Die monatlichen Gottesdienste im Nordhotel gingen weiter. Auch für die internierten deutschen Soldaten wurden Gottesdienste gehalten. Für Kriegsgefangene in Sibirien und Japan wurden Geld- und Sachspenden gesammelt.
Für die Kirchengemeinde war bedeutsam, dass sie Ende 1917 einen eigenen Pfarrer in Peking bekam. Im Oktober kam Pastor Johannes Mueller, mit einem Lehrauftrag für Pädagogik an die Akademie für Lehrerbildung nach Peking. Unter Pastor Mueller nahm das kirchliche Leben weiterhin eine günstige Entwicklung. Damals hatte man sogar eine Zeit lang allsonntäglich Gottesdienst. Es war wohl eine besondere Fügung, dass sich gerade jetzt, kurz vor dem großen Zusammenbruch, eine feste kirchliche Tradition unter den Deutschen bilden konnte.
Einer nur mit Vorsicht aufzunehmenden Sage nach soll schon der Apostel Thomas in China das Evangelium gepredigt haben. Wenn es auch unwahrscheinlich ist, dass Thomas selber in China war, so ist doch seine Lehre von den ersten Christen Indiens nach China getragen worden.
Dieses glaubt man aus der Auffindung der berühmten Thomaskreuze in China schließen zu können. In Fukien entdeckte man drei davon. Sie sind in Steinplatten gemeißelt und stammen wahrscheinlich aus dem vierten oder fünften Jahrhundert. Ein ähnliches Kreuz befindet sich auf der Spitze der berühmten Stele von Sianfu, die im Jahre 1623 aufgefunden wurde. Auf dieser Steinplatte sind 780 Schriftzeichen eingemeißelt, das Glaubensbekenntnis und eine kurzgefasste Geschichte der ersten chinesischen Christen.
Unter der Regierung T'ai Tsungs, kam im Jahre 635 Alopen von Tat'sin nach
Changan in China. Der Kaiser schickte ihm Boten entgegen. Alopen brachte
Bücher, Bilder und Schriften mit. Seine Lehre wurde am Kaiserhof geprüft
und für gut befunden. Daraufhin befahl der Kaiser, eine Kirche zu bauen.
Im Jahre 651 folgte Kau Tsung dem T'ai Tsung auf dem Thron. Er ehrte
Alopen, wie es sein Vater getan hatte, und baute dem wahren Gott Kirchen in
allen Provinzen. Es kam zu Verfolgungen durch "Bonzen". Zwei eifrige Männer
verteidigten den Glauben. Kaiser Su Tsung baute im Jahre 757 fünf Kirchen,
und auch die folgenden Kaiser bestätigten in ihren Edikten die Schönheit des
Christentums. Um das Andenken dieser Großtaten zu verewigen und der
Nachwelt zu überliefern, haben wir diesen Stein im Jahre 782 aufrichten
lassen.
Die Lehre des Nestorius, die der Verkündigung der oben erwähnten Christen zugrunde liegt, wurde allerdings 431 beim dritten allgemeinen Konzil in Ephesus verworfen. Den Fortbestand der Nestorianischen Gemeinden in China bezeugt Marco Polo, der 1272 als Kaufmann aus Venedig nach Khanbalik, dem heutigen Peking, gekommen war und bis 1293 mit seinem Bruder am Hofe Kublai Khans in den höchsten Ehrenstellungen lebte. Er berichtet, dass noch unter Kublai Khan in Sianfu zwei nestorianische Kirchen errichtet wurden. Der Kaiser zeichnete sich durch besondere Christenfreundlichkeit aus. Er liess die Brüder Polo nach Europa zurückkehren, um hundert christliche Missionare und etwas von dem Öl aus der Lampe vor dem Heiligen Grabe zu holen. Kublai Khan liess sich allerdings nicht taufen.
Seit Mitte der achziger Jahre gab es von Seiten der EKD, des deutschen Außenministeriums und der deutschen Botschaft in Peking Bestrebungen, die deutschsprachige evangelische Gemeinde, die zuerst zwischen 1916 und 1949 in der chinesischen Hauptstadt existiert hatte, wieder einzurichten. Aber erst 1994 war der Zeitpunkt gekommen, dass von allen drei Seiten ernsthafte Schritte in diese Richtung unternommen wurden. Es kam zu einer formalen Gemeindegründung mit dem Beschluss, in Peking wieder einen Pfarrer zu etablieren.
Zu diesem Zeitpunkt wurde Peking noch von Hongkong aus mitversorgt. Gleichzeitig war aber ein anderer evangelischer Pfarrer in der Stadt, allerdings als Fremdsprachenstudent. Pfarrer Hans-Georg Dürr aus der berlin-brandenburgischen Kirche hatte seine Landeskirche um eine Freistellung zum Erlernen der chinesischen Sprache gebeten. Diese war ihm gewährt worden und so studierte er an einer der Universitäten chinesische Sprache. Gelegentlich hielt er in Vertretung des Hongkonger Kollegen Gottesdienste.
Als die Entscheidung gefallen war, dass die Pfarrstelle einzurichten ist, hat man Hans-Georg Dürr aufgefordert, sich zu bewerben. Da er schon das Land kannte, wurde er auch als erster Pfarrer entsandt und hat die Gemeinde die übliche Dauer von sechs Jahren von 1995 bis 2001 geführt. Im Sommer 2001 fand dann der erste Staffettenwechsel nach der Neugündung statt und der aus dem sächsischen Marbach stammende Gerold Heinke übernahm die Leitung der Pfarrstelle und Gemeinde bis zum Sommer 2007.